Ein Monat nur mit Open‑Source‑Apps: Alltag neu gedacht

Ich habe mir vorgenommen, dreißig Tage lang ausschließlich mit Open‑Source‑Apps alle alltäglichen Aufgaben zu erledigen: planen, schreiben, kommunizieren, Fotos ordnen, navigieren und entspannen. Hier teile ich ehrliche Erfahrungen, kleine Siege, holprige Momente und funktionierende Setups, damit du selbst neugierig starten kannst – mit praktischen Tipps, menschlichen Geschichten und motivierenden Impulsen für einen souveränen, freien digitalen Alltag.

Vorbereitung und Werkzeugkiste

Bevor es losging, habe ich meinen digitalen Alltag kartiert: Welche Aufgaben erledige ich täglich, welche Datenformate brauche ich, wo liegen Abhängigkeiten? Diese Übersicht half, passende Open‑Source‑Alternativen zu finden, Stolpersteine zu erkennen und klare Erwartungen zu setzen, ohne Perfektionsdruck, aber mit Lust auf Entdeckungen und spürbare Verbesserungen im Ablauf.

Arbeiten und Organisieren ohne Kompromisse

Im Büroalltag sollten Dinge einfach funktionieren: Dokumente öffnen, Tabellen berechnen, Präsentationen teilen, Aufgaben koordinieren, Termine abstimmen. Ich testete, wie weit offene Werkzeuge ohne Zusatzkosten, Telemetrie oder Lizenzstress tragen. Überraschend: Mit etwas Feinjustierung erwiesen sich viele Workflows als schneller, stabiler und nachvollziehbarer, weil ich Werkzeuge wirklich verstehe, statt nur Schaltflächen auswendig zu kennen.

Notizen und Wissensspeicher mit Joplin

Joplin wurde mein zweites Gehirn: strukturierte Notizbücher, Markdown‑Komfort, Web Clipper, Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung und Synchronisierung über ein eigenes Ziel. Der Clou: Ich exportierte alles in offene Formate und behielt so jederzeit die Kontrolle. Nach einer Woche entstanden Templates, Suchabfragen und Tags, die wiederkehrende Aufgaben beschleunigten, ohne mich in Abos zu treiben oder mich an geschlossene Ökosysteme zu ketten.

Dokumente mit LibreOffice und OnlyOffice

LibreOffice übernahm den Großteil: Briefe, Berichte, PDF‑Erzeugung, Serienbriefe. Für komplexe Office‑Kompatibilität half OnlyOffice bei kollaborativen DOCX‑Dateien. Ein Excel‑Makro bereitete kurz Kopfzerbrechen, ließ sich jedoch mit einer alternativen Formel lösen. Fazit: Dateiformate bewusst wählen, gemischt testen, frühzeitig Feedback einholen. Danach lief der Austausch mit Partnern erstaunlich unproblematisch und transparent, ohne versteckte Überraschungen.

Aufgaben und Kalender mit Nextcloud

Mit einer kleinen Nextcloud‑Instanz verband ich Kalender, Kontakte und Aufgaben über CalDAV und CardDAV. Auf dem Desktop und dem Smartphone synchronisierte alles zuverlässig. Besonders hilfreich waren geteilte Listen, Farbcodes und Erinnerungen. Der größte Gewinn lag in der Unabhängigkeit von Konten externer Anbieter und dem beruhigenden Gefühl, Termine und Aufgaben in offenen, portablen Formaten wirklich selbst zu steuern.

Kommunikation, die dir gehört

Ob E‑Mail, Chat oder Video: Ich wollte mich nicht länger von geschlossenen Servern abhängig fühlen. Die getesteten Werkzeuge zeigten, dass Privatheit und Komfort kein Widerspruch sind. Kleine Hürden beim Onboarding verwandeln sich mit klaren Einladungen, guten Erklärungen und geduldigen Kontakten schnell in neue Gewohnheiten, die freundlich, respektvoll und nachhaltig mit Daten umgehen.

01

E‑Mail mit Thunderbird

Thunderbird fühlte sich sofort vertraut an: mehrere Konten, starke Suche, Filter, Add‑ons, Kalender‑Integration. Ich richtete PGP‑Verschlüsselung ein, übte Signaturen und erklärte Freundinnen kurz die Bedeutung. Nach zwei Tagen lief alles routiniert. Besonders mag ich die Transparenz bei Anhängen, Kopfzeilen und Regeln, die mir zeigt, was tatsächlich passiert, statt es hinter firmeneigenen Automatismen zu verstecken.

02

Chats über Signal und Matrix

Ich verlegte Familien‑ und Freundeschats auf Signal, während ich Projektgruppen zu Matrix einlud. Die Reaktionen waren gemischt, doch Neugier überwog. Nach der ersten Woche schätzten viele die Klarheit, Verschlüsselung und plattformübergreifende Verfügbarkeit. Sticker, Threads, Lesebestätigungen und Brücken zu anderen Diensten machten den Umstieg sozial verträglich, ohne die eigene Datensouveränität aufzugeben oder Kompromisse beim Komfort zu erzwingen.

03

Besprechungen mit Jitsi Meet

Für Videokonferenzen nutzte ich Jitsi Meet und probierte verschiedene selbstgehostete Instanzen. Die Qualität überraschte positiv, besonders bei kleinen Gruppen. Ein instabiles WLAN löste ich mit geringerer Auflösung und einem Headset. Bildschirmfreigaben funktionierten zuverlässig, sogar mit mehreren Fenstern. Das Beste: Niemand brauchte ein Konto, nur einen Link, und schon konnten wir sicher, schnell und respektvoll zusammenarbeiten.

Kreativität und Medien neu belebt

Offene Werkzeuge beflügelten kreative Routinen: Fotos sortieren, Grafiken entwerfen, Podcasts schneiden, Videos schneiden, Musik hören. Statt Lizenzsorgen entdeckte ich Lernressourcen und aktive Communities. Mit klaren Workflows, Tastenkombinationen und Dateivorlagen gelang vieles schneller als erwartet, besonders wenn ich mich auf iterative Verbesserungen statt auf sofortige Perfektion konzentrierte und geduldig drangeblieben bin.

Sicherheit, Synchronisierung und Backups

Ohne solide Grundlagen nützt die beste App‑Auswahl wenig. Daher setzte ich auf Passwortverwaltung, Zwei‑Faktor‑Verfahren, lokale Verschlüsselung und redundante Backups. Ich wollte spürbare Sicherheit, die nicht nervt, sondern leise schützt. Mit klaren Routinen, kleinen Ritualen und verständlichen Werkzeugen entstand ein ruhiges Sicherheitsnetz für jeden Arbeitstag, jede spontane Idee und jeden wichtigen Austausch.

Passwörter mit KeePassXC

Ich legte eine neue Datenbank mit starkem Master‑Passwort und Schlüsseldatei an, kategorisierte Logins und aktivierte TOTP. Die Autotype‑Funktion beschleunigte Logins enorm. Gleichzeitig blieb alles offline, verschlüsselt und exportierbar. Das Gefühl, nicht auf einen Anbieter angewiesen zu sein, brachte Freiheit, während die Disziplin regelmäßiger Sicherheitsprüfungen meine Gewohnheiten nachhaltig verbesserte und unnötige Risiken sichtbar verringerte.

Dateisync mit Syncthing

Syncthing ersetzte meine bisherigen Cloud‑Ordner. Geräte verknüpfen, Ordner freigeben, Versionierung aktivieren – fertig. Einmal richtete ich Ausschlüsse ein, um temporäre Dateien zu sparen. Sogar große Medienordner synchronisierten zuverlässig über das Heimnetz. Ein verschütteter Kaffee auf dem Laptop blieb ohne Folgen, weil alles sekundenschnell auf dem Zweitrechner und einem NAS gespiegelt war, vollständig überprüfbar und nachvollziehbar.

Browser und Privatsphäre mit Firefox

Firefox mit strengen Schutz‑Einstellungen, Container‑Tabs und uBlock Origin brachte Ruhe in den Alltag. Weniger Ablenkung, weniger Tracking, fokussierteres Arbeiten. Lesezeichen synchronisierte ich verschlüsselt, exportierte regelmäßig und übte bewusste Tab‑Hygiene. Kleine Schritte, große Wirkung: bessere Konzentration, schnellere Seiten und das beruhigende Wissen, dass meine Spuren kleiner werden, ohne auf moderne Web‑Kompatibilität zu verzichten.

Unterwegs auf dem Smartphone

F‑Droid als App‑Quelle

F‑Droid lieferte kuratierte, überprüfbare Builds vieler Werkzeuge. Ich lernte, Repositories zu verstehen, Signaturen zu prüfen und Updates bewusst einzuspielen. Dadurch blieb das System aufgeräumt, transparent und frei von Überraschungen. Es fühlte sich an, als würde ich meine mobile Umgebung wirklich besitzen, statt sie nur zu mieten, inklusive nachvollziehbarer Änderungen und einer verantwortungsvollen Community, die Fehler offen behebt.

Navigation mit OsmAnd

OsmAnd mit Offline‑Karten rettete mich bei einer Zugverspätung und schwachem Netz. Favoriten, Sprachnavigation, Höhenprofile und öffentliche Verkehrsmittel setzten neue Standards in der Praxis. Ich legte eigene Karten‑Ebenen an, markierte Treffpunkte und exportierte Routen. Besonders mochte ich, dass alles lokal bleibt und ich dennoch präzise, aktuelle Daten nutzen kann, gepflegt von einer engagierten, weltweiten Gemeinschaft.

Videos genießen mit NewPipe

NewPipe erlaubte mir, Videos ohne Konto, Tracking oder aufdringliche Empfehlungen zu schauen, Playlists offline mitzunehmen und Ablenkungen zu reduzieren. Dadurch blieb mein Datenverbrauch klein und meine Aufmerksamkeit hoch. Gemeinsam mit einem Werbeblocker im WLAN entstand eine angenehm stille Medienumgebung, die Inhalte in den Mittelpunkt stellt, nicht Algorithmen, die mich länger festhalten wollen, als ich eigentlich geplant hatte.

Erkenntnisse, Stolpersteine und Ausblick

Die größten Vorteile

Souveränität über Daten, transparente Funktionen, starke Communities, keine Lizenzfallen, bessere Archivierung, weniger Ablenkung, echte Portabilität. Besonders wichtig: die Fähigkeit, Werkzeuge anzupassen statt mich anzupassen. Das spart langfristig Zeit, stärkt Sicherheit und macht mich unabhängiger von Launen großer Plattformen. Außerdem fühlt es sich gut an, Wissen zu teilen und gemeinsam Lösungen wachsen zu sehen.

Die ehrlichsten Hürden

Es gab Momente mit Dateikompatibilität, Gewöhnungszeit an Oberflächen und Überzeugungsarbeit im Umfeld. Doch mit vorbereiteten Exporten, klarer Kommunikation und geduldigen Erklärungen verschwanden die meisten Sorgen. Entscheidend war, Iterationen zu erlauben, nicht alles gleichzeitig zu ändern und Erfolge sichtbar zu machen. So wurden Widerstände kleiner, Motivation größer und nachhaltige Routinen greifbar und dauerhaft verankert.

Mach mit und teile deine Erfahrung

Wenn dich dieser Selbstversuch inspiriert, starte eine Woche mit zwei offenen Apps deiner Wahl und berichte unten in den Kommentaren. Abonniere für neue Praxisbeispiele, schlage Alternativen vor, stelle Fragen, lade Freundinnen ein. Gemeinsam sammeln wir Setups, Tipps, Shortcuts und Rettungsanker, damit der nächste Umstieg noch leichter, freudiger und wirksamer gelingt – transparent, respektvoll und ermutigend.

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